Bündnis 90 /DIE GRÜNEN lehnen Abriss von Sielers Ballhaus ab

28.10.2001. Die Neu­pla­nun­gen für ein Einkauf­szen­trum in der Lin­den­hof­s­traße stoßen bei der Gröpelinger Stadt­teil­gruppe von Bünd­nis 90/ Die Grü­nen auf entsch­iedene Ablehnung. “Mit dem jet­zt ins Auge gefassten Abriss von ‘Siel­ers Ball­haus’ wer­den die Pla­nun­gen immer frag­würdi­ger”, erk­lärt das Beiratsmit­glied Hel­mut Kas­ten.

Nach­dem die Fir­ma Zech­bau von ihrem Ange­bot zurück­ge­treten ist, das in der Lin­den­hof­s­traße geplante Einkauf­szen­trum zu erricht­en und zu ver­wal­ten, bekam ein weit­er­er Bewer­ber den Zuschlag, dessen Pla­nun­gen den Abriss von “Siel­ers Ball­haus” vorse­hen. “Für die Fir­ma Zech­bau war das Pro­jekt offen­bar nicht rentabel”, so Kas­ten. Für den neuen Bewer­ber scheint die Rentabil­ität erst möglich, wenn das Ball­haus abgeris­sen wird.

Das Scheit­ern der bish­eri­gen Pla­nun­gen bestätigt unsere Ein­schätzung, dass das Einkauf­szen­trum hier fehl am Platz ist”, fol­gert Kas­ten. Der geplante Abriss des Ball­haus­es wider­spricht den langjähri­gen Bemühun­gen, das Lin­den­hofvier­tel attrak­tiv­er zu gestal­ten, weil damit ein Marken­ze­ichen des Stadt­teils ver­loren geht.

Kas­ten rät dazu, nochmals inne zu hal­ten: “Warum Mil­lio­nen investieren, wenn das Beste­hende bess­er ist als die bish­eri­gen Pla­nun­gen.”

Ein Anfang ist gemacht

Grüne Stadt­teil­gruppe sieht sich bestätigt — Dia­log im Stadt­teil muss fort­ge­set­zt wer­den

03.10.2001. “Ein Anfang ist gemacht, aber wir müssen den Dia­log im Stadt­teil jet­zt auch fort­set­zen”, fasst Ulrike Joest die von der grü­nen Stadt­teil­gruppe am 2. Okto­ber durchge­führte Ver­anstal­tung zusam­men. Kurzfristig ver­suchte die Stadt­teil­gruppe auf diesem Weg, Men­schen aus dem Stadt­teil miteinan­der ins Gespräch zu brin­gen und vor allem den Kon­takt zwis­chen Mus­li­men und Nicht-Mus­li­men nicht abreißen zu lassen. “Wir kon­nten die Sprachlosigkeit nach dem 11. Sep­tem­ber nicht ste­hen lassen”, unter­stre­icht Joest nochmals die Moti­va­tion für die Ver­anstal­tung, “es galt, Unsicher­heit­en im gegen­seit­i­gen Umgang aufzuk­lären und Mis­strauen ent­ge­gen­zutreten.”

Die Stadt­teil­gruppe lud deshalb zu ein­er Diskus­sion ein, an der sich auf dem Podi­um Veci­he Dir­lik, Schü­lerin am SZ Pestalozzis­traße, Bernd Peters, ehe­ma­liger Ort­samt­sleit­er im Bre­mer West­en, Maria Hamm-Kroustis, Gröpelinger Einzel­händ­lerin, Edhem Dir­lik von Vatan Spor, Abdulk­er­im Sari von der Fatih-Moschee sowie Ulrike Joest von der grü­nen Stadt­teil­gruppe beteiligten. Mod­eriert wurde die Ver­anstal­tung von Matthias Güld­ner, innen- und migra­tionspoli­tis­ch­er Sprech­er der Bürg­er­schafts­frak­tion Bünd­nis 90/ Die Grü­nen.

Allen Beiträ­gen war neben der Betrof­fen­heit und dem Unver­ständ­nis über die Atten­tate in New York und Wash­ing­ton die Angst vor weit­eren Anschlä­gen, aber auch Ungewis­sheit über die Reak­tion­sweise der USA und der NATO gemein. “Alle waren entset­zt und spach­los”, berichtete Bernd Peters, der von den Atten­tat­en während eines Por­tu­gal-Aufen­thalts erfuhr. Danach war es für viele wichtig, Infor­ma­tio­nen und Gefüh­le auszu­tauschen. “In meinem Laden war das Bedürf­nis nach Trauer­ar­beit zu spüren”, berichtete Maria Hamm-Kroustis. Von umfan­gre­ichen und kon­tro­ver­sen Diskus­sio­nen über das Warum und Wieso der Atten­tate und deren Fol­gen berichtete Veci­he Dir­lik. Aber auch hier: all­ge­meines Unver­ständ­nis. “Wie gehen wir damit um?”, war die zen­trale Frage für den Vor­stand von Vatan Spor, aber auch: “Müssen wir neue Anschläge auf unsere Ein­rich­tung befürcht­en?” Der Vor­stand, so Edhem Dir­lik, sieht sich in seinem Entschluss, jet­zt erst recht vor allem im per­sön­lichen Umfeld das Gespräch zu suchen, bestätigt. Trotz­dem blieben zumin­d­est ver­bale Angriffe auf Mus­lime nicht aus. Rat­losigkeit herrschte dage­gen in der Fatih-Moschee, nach­dem in einem Bericht der “Welt am Son­ntag” die in Deutsch­land einzige gemein­same religiöse Feier, die am Fre­itag nach den Atten­tat­en Mus­lime, Protes­tanten und Katho­liken zusam­menge­führt hat­te, als “Heuchelei” dargestellt wurde. “Wir ver­sucht­en etwas zu tun, auch wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein war. Nach dem Bericht fühlten wir uns wie vor den Kopf gestoßen”, so Abdulk­er­im Sari von der Fatih-Moschee.

Nach den Atten­tat­en wurde in den Medi­en viel über den Islam und Mus­lime berichtet, aber nicht mit Mus­li­men gesprochen”, berichtete Edhem Dir­lik von seinen Erfahrun­gen. Dabei gebe es viele pos­i­tive Beispiele, wie Mus­lime und Nicht-Mus­lime in Gröpelin­gen nicht nur nebeneinan­der, son­dern tat­säch­lich auch miteinan­der lebten. Dass sich Gröpelin­gen dies­bezüglich pos­i­tiv und dur­chaus beispiel­haft entwick­elt hat, beton­ten sowohl Ulrike Joest als auch Bernd Peters.

Trotz­dem wis­sen wir immer noch zu wenig voneinan­der”, stellte Ulrike Joest fest. Gle­ich­es the­ma­tisierten Beiträge aus dem Pub­likum. “Nein, eine dem Papst ver­gle­ich­bare Insti­tu­tion, die den Glauben auslegt, gibt es im Islam nicht”, stellte Sari klar. Es gebe aber z. B. ver­schiedene Hochschulen, die in Glaubens­fra­gen eine wichtige Stel­lung ein­näh­men. Sari unter­strich gle­ichzeit­ig auch, dass Zwang dem Islam fremd sei. Auf den Vor­wurf, die Fatih-Moschee und die Islamis­che Föder­a­tion dis­tanzierten sich zu wenig von extrem­istis­chen Grup­pen, erwiderte Sari, “dass wir oft in einem Atemzug mit extrem­istis­chen Grup­pen genan­nt wer­den. Sowohl gegenüber den Medi­en als auch der Öffentlichkeit ist es schwierig, ein dif­feren­ziertes Bild zu ver­mit­teln.”

Die Bre­mer Mus­lime sitzen in der Falle”, so Matthias Güld­ner zum Abschluss der Diskus­sion. Mitte der 90er Jahre seien sie und ihre Organ­i­sa­tio­nen aufge­fordert wor­den, sich mehr der Gesellschaft zu öff­nen. Nach­dem diese Öff­nung immer mehr vol­l­zo­gen werde, tauche der Vor­wurf auf, dass dies eine beson­ders per­fide Form der Täuschung sei.

Ein Grund mehr, den Dia­log im Stadt­teil fortzuset­zen. Über die kul­turellen Schranken hin­weg müssen wir noch mehr Aus­tausch erre­ichen.”, stellt Joest für die Stadt­teil­gruppe abschließend fest. “Wenn uns der 11. Sep­tem­ber etwas lehrt, dann die Notwendigkeit, dass wir in unser­er Ver­schieden­heit aufeinan­der zuge­hen müssen, denn Gröpelin­gen hat dur­chaus etwas zu ver­lieren.”

Vergleich zur Hafenrandstraße

Ver­gle­ich zwis­chen dem GNUU e.V. und dem Sen­a­tor für das Bauwe­sen zum Bau der Hafen­rand­straße

Auf viel­er­lei Nach­frage hin wird dieses Doku­ment von 1990 hier eingestellt. Nach den let­zten Verkehrszäh­lun­gen ist der Ver­gle­ich noch nicht umge­set­zt. Nach Beobach­tun­gen vor Ort ist dies auch mit dem zeitlich nachge­lagertem Umbau des Kreuzungs­bere­ichs “Auf den Del­ben” im Jahre 2005 nicht der Fall, da der Durch­gangsverkehr über die Rit­ter­hud­er Heer­straße fließt.

Ob die 2008 einge­baut­en 3 Querung­shil­fen einen Beitrag leis­ten, bleibt abzuwarten.

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