Bürgerschaftswahl 10.05.2015 – Betrachtung des Gröpelinger Ergebnisses

Das vorläufige Endergebnis liegt seit einigen Tagen vor. Der Weser-Report schreibt heute in seiner Ausgabe: „Die im Stadtteil ohnehin ‚schwächelnden‘ Grünen haben mit 9,03 % (2015: 14,18) noch einmal deutlich an Zuspruch verloren.“ Das entspricht allerdings in keiner Weise der tatsächlichen Lage und muss als schlecht recherchiert bezeichnet werden.

Das Wahlergebnis auf Bürgerschaftsebene ergibt folgendes Bild (Grafiken des Weser-Kuriers  Online):

Bürgerschaft Stadtteil 2015 - 2011

Wir wissen, das das Wahlergebnis von 2011 deutlich vom Erdbeben in Japan und Dingen wie Stuttgart 21 gekennzeichnet war. Wir haben nicht damit gerechnet, das wir die 14,2 % wieder erringen. Schon aus dem Grund, weil man als Regierungspartei unangenehme Entscheidungen treffen muss, die auch immer ein Teil der eigenen Wähler nicht verstehen und sich in der Folge abwenden. Das ist auch ein Grund, warum FDP oder DIE LINKE von vornherein sagen, das sie gar nicht regieren, sondern lieber weiter vom Seitenrand aus kritisieren wollen.

Der Weser-Report schreibt nun von „noch einmal deutlich an Zuspruch verloren“. D.h. man hätte nicht nur gegenüber 2011 verloren, sondern auch schon vorher. Da wir wissen, daß das Ergebnis 2011 die oben genannten Sonderfaktoren enthielt, macht es Sinn einen Vergleich zum Jahr 2007 anzustellen. Dann ergibt sich folgendes Bild:

Bürgerschaft Stadtteil 2015 - 2007

Im Ergebnis kann man in diesem längerfristigen Vergleich 2007 auf 2015 erkennen:

  • SPD von 50,6 % auf 44,8 % verloren
  • CDU von 16,2 % auf 15,7 % verloren
  • DIE Linke von 10,4 auf 10,2 % verloren
  • FDP von 3,9 auf 3,5 % verloren
  • Bündnis 90 / DIE GRÜNEN mit 9 % stabil geblieben
  • Sonstige stark zugelegt.

Natürlich haben auch wir an absoluten Stimmen deutlich bitter verloren und konnten wie alle Parteien Wähler nicht an uns binden. Das stimmt uns traurig, das es nicht dazu beiträgt, auf Bürgerschaftsebene Rückenwind für den Stadtteil zu geben, was aber so dringend notwendig ist. Auch die DIE LINKE kann in Gröpelingen keine absoluten Stimmengewinne verzeichnen und auch im Vergleich 2007 auf 2015 nicht einmal prozentual. Es ist also nicht so, das bei rund 35 % SGB-II-Empfängern die Menschen von der SPD zur Linken laufen. Sie laufen vielmehr in den Bereich der Nichtwähler und in Teilen zu neuen Parteien die man vllt. vorsichtig als rechts von der CDU stehend einstufen kann, wobei dies beim Trend der letzten Jahre der CDU zur Mitte hin keine Beleidigung sein soll.

Traurig ist der Rückgang der Wahlbeteiligung. Von 47 % im Jahr 2007 auf jetzt 37,3 % im Jahr 2015. Dies wird durch die vorherigen Wahlumfragen begründet, die keinen Stimmenrückgang bei der SPD vorhersagten. Ein bisher in den Medien gar nicht genannter Punkt ist der starke Rückgang der Wahlberechtigten innerhalb der Bevölkerung. 1991 gab es für den Bereich der Bürgerschaft in Gröpelingen 25.533 Wahlberechtigte. 2015 gab es 21.057 Wahlberechtigte – das ist ein Rückgang um 17,5 % in den 24 Jahren. 2011 betrug die Zahl der Wahlberechtigten noch 21.891 – ein Rückgang um 3,8 % allein in den letzten 4 Jahren.

Wenn man den Aussagen der Amtes für Soziale Dienste etc. vertraut, das in den letzten Jahren „stabile“ Menschen aus Gröpelingen weggezogen oder schlicht altersbedingt verstorben sind, dann kann man davon ausgehen, das darunter auch relativ viele Menschen waren, die zur Wahl gegangen sind. Das hat dann einen nicht zu unterschätzenden Effekt auf die Wahlbeteiligungsquote der in Gröpelingen verbliebenen Menschen.

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